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Corona-Virus (COVID-19) im Landkreis Heinsberg und der Städteregion Aachen

Corona-Virus (COVID-19) im Landkreis Heinsberg und der Städteregion Aachen

Seit dem Dezember 2019 breitet sich das Corona-Virus mit der Bezeichnung Covid-19 zunächst in China, mittlerweile in mehreren Ländern aus. Aufgrund der statistischen Bedeutung (medizinische Fachstudien zur Ausbreitung) habe ich das Thema mehrfach in meinen Statistik-Gruppen als Anker zur Anwendung diverser statistische Verfahren verwendet (Berechnung von Korrelationen, Regressionsmodelle, Varianzanalysen usw.). Als ich vor rund 6 Wochen mit einigen meiner Studis darüber gesprochen habe, dass in absehbar Zeit die ersten Infektionen in unserer Region auftreten werden, konnten dies die wenigsten glauben. Einige Wochen später wird der Landkreis Heinsberg sogar als Epizentrum der Ausbreitung ausgemacht. Nach den ersten Infektionszahlen kann man nur von einem ernüchternden Ergebnis sprechen. Deutschland hatte über einen Monat Zeit, sich auf die Ausbreitung des Virus vorzubereiten. Während andere Länder bereits ganze Städte unter Quarantäne gesetzt und diverse Reiseverbindungen eingestellt haben, scheint man dies im Landkreis Heinsberg und der Städteregion Aachen wesentlich entspannter zu sehen und hat die Bevölkerung erstmal Karneval feiern lassen.

Verwendete Schätzungen als Beispielaufgaben im WS1920

Bisherige Informationen – „Eine Grippe ist schlimmer“

Nach Ansicht diverser Infektions-Experten wird das Corona-Virus „wahrscheinlich 60 bis 70%“ der Bevölkerung infizieren, 15 bis 20 Prozent erkranken an schweren Symptomen.1, 2 Die Sterberate wird nach aktuellen Zahlen auf 1 bis 2 Prozent geschätzt. Zum Vergleich: Die Sterberate bei einer gewöhnlichen Grippe liegt ungefähr bei 0,2 Prozent.3 Legt man nun nur die Mindestwerte der Prozentzahlen auf die Bevölkerung Deutschlands an (ca. 83 Millionen, 20194) bedeutet dies mindestens 49,8 Millionen Infizierte, wobei mindestens 12,5 Millionen an schweren Symptomen erkranken werden. Bei der geschätzten Sterberate von 1% würde dies zu mindestens 830.000 Toten führen. Dabei wird voraussichtlich schon die Zahl der Infizierten mit schweren Symptomen unser Gesundheitssystem überlasten.

Bereits jetzt sind stellenweise keine Arztbesuche möglich, stellenweise stehen Ärzte und medizinisches Personal bereits unter Quarantäne, 21 Mitarbeiter der Feuerwehr Köln befinden sich ebenfalls in Quarantäne. Die Zeit titelt aktuell „Die Lehren aus Heinsberg – In NRW steigt die Zahl der Corona-Fälle. Die Infektionskette ist kaum mehr zu unterbrechen, manche Behörde wirkt überfordert. Bei Betroffenen wächst die Unsicherheit.“5,6 Nach dem Krankenhausplan NRW 2015 gibt es in NRW nur insgesamt 1.831 Infektionsbetten.Wie so ein breiter Schutz der Bevölkerung sichergestellt werden kann, insbesondere bei einer Zunahme der Infizierten in den nächsten Wochen, bleibt mehr als fraglich.

Zusammenfassung

  • 60-70% mögliche Infizierte
  • 15-20% der Infizierten erhalten schwere Symtpome
  • Sterberate (Mortalität) wird auf 1 bis 2% geschätzt (Grippe: 0,2%)
  • R0-Wert: nach diversen Quellen mindestens 3, d.h. ein Infizierter steckt mindestens 3 weitere Personen an

Als problematisch dabei anzusehen ist, dass nicht jeder Infizierter als solcher auch erkannt wird. Bei den aktuellen Maßnahmen in Deutschland ist eine weitere Verbreitung des Virus sehr wahrscheinlich. Es sind flächendeckende Tests notwendig, ähnlich wie dies in China oder aktuell in Südkorea stattfindet.

Update

Update 07.03.2020: Bei bisher knapp 1.000 Infektionen scheint statistisch gesehen die Zahl 0 bei Todesopfern sehr auffällig, insbesondere wenn man mit den Zahlen aus Frankreich oder Italien vergleicht.

Quellen

[1] Coronavirus in Deutschland – Experte erwartet bis zu 70 Prozent Infizierte [n-tv vom 03.03.2020]
[2] Covid-19: Krankheitsanzeichen und Todesfälle [03.03.2020]
[3] RKI zu Coronavirus: „Es kann der Zeitpunkt kommen, an dem wir die Kontrolle verlieren“ [03.03.2020]
[4] Google / Eurostat [03.03.2020]
[5] Zeit.de – Verdacht auf Coronavirus – Die Lehren aus Heinsberg [03.03.2020]
[6] Express – Coronavirus: 2 Mitarbeiter der Feuerwache in Weidenpesch infiziert, 21 in Quarantäne [03.03.2020]
[7] Krankenhausplan NRW 2015 [pdf, 03.03.2020]

 

 

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